E-Plus LTE

Das Datennetz des Mobilfunkdienstleisters E-Plus zählt seit jeher als das am wenigsten ausgebaute in der Bundesrepublik. Das scheint sich auch mit LTE nicht zu ändern, denn bis heute gibt es für die neue Technologie keine passenden Angebote.

Das LTE-Netz von E-Plus

E-Plus konnte sich bei der Versteigerung der im Zuge der Digitalen Dividende frei gewordenen Frequenzen im Bereich von 800 MHz keine Frequenzblöcke sichern. Viele Experten sahen dies als klaren Verlust für das Mobilfunkunternehmen, während E-Plus selbst eher gelassen reagierte. Immerhin konnten Frequenzen in hohen Bereichen gesichert werden, E-Plus darf demnach in den Bereichen von 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz funken. Das Problem an solchen Frequenzen ist jedoch, dass damit lediglich Ballungsgebiete abgedeckt werden können, da die Reichweite der Signale für einen Betrieb in ländlichen Regionen nicht ausreicht. Allerdings ermöglichen nur solche hohen Frequenzen die maximale Geschwindigkeit von LTE.

Momentan betreibt E-Plus sein LTE-Netz lediglich zu Testzwecken, kommerzielle Angebote sind noch nicht in Aussicht. Dabei zeigt sich das Unternehmen experimentierfreudig und nutzt sogar Frequenzen, die eigentlich im asiatischen Raum üblich sind. Das ergibt in Deutschland nur wenig Sinn, da auch die hier verfügbaren Endgeräte jene Frequenzen nicht unterstützen. Was genau E-Plus damit bezwecken möchte, kann nur vermutet werden. Einige sehen darin lediglich geschicktes Marketing.

Die LTE-Strategie von E-Plus

Momentan hält E-Plus LTE noch für nicht bedeutsam genug, um einen großflächigen Ausbau des eigenen Netzes zu rechtfertigen. Stattdessen setzt das Unternehmen voll auf den Ausbau des UMTS-Netzes, um wenigstens die 3G-Technologie endlich flächendeckend anbieten zu können. Moderne UMTS-Netze können durchaus Geschwindigkeiten von bis zu 21,6 Mbit/s bewerkstelligen, was mit günstigen LTE-Tarifen problemlos konkurrieren kann. Ein großes Problem bei der älteren Technik ist jedoch die Reaktionszeit, die zeitkritische Anwendungen wie Videotelefonie oder Onlinespiele nahezu unmöglich macht. Allerdings sollte E-Plus noch lange nicht abgeschrieben werden. Denn durch den Verzicht auf die begehrten 800MHz-Frequenzen sparte das Unternehmen auch viel Geld. Während die Mitbewerber jeweils mehr als eine Milliarde Euro für LTE-Frequenzen zahlten, verursachten die Frequenzen für E-Plus lediglich Kosten von etwa 50 Millionen Euro. Der Mobilfunkanbieter muss sich deshalb kaum darum bemühen, hohe Investitionen wieder hereinzuholen. Dieser Umstand passt auch sehr gut zur restlichen Marktstrategie des Unternehmens, Marktanteile sollen vor allem durch günstige Tarife gewonnen werden.

In der Zukunft plant E-Plus, auch im Bereich von LTE konkurrenzlos günstige Produkte anzubieten. In Regionen, in denen das eigene Netz den neuen Standard nicht zur Verfügung stellen kann, sollen die Nutzer dann einfach in das UMTS-Netz eingewählt werden, welches laut E-Plus heutzutage noch leistungsfähig genug sei. Denkbar wäre aber auch das Anmieten von Frequenzen der Mitbewerber, E-Plus Nutzer könnten sich dann in ein Netz von Vodafone, O2 oder der Telekom einwählen, um LTE zu nutzen. Solch eine Praxis ist auch als National Roaming bekannt und existierte in der Vergangenheit schon einmal. Bei der damaligen Viag Interkom wurde zu großen Teilen das Netz der Telekom mitgenutzt. Fraglich ist jedoch, ob bei den zusätzlichen Kosten für die Nutzung fremder Netze noch die angestrebten, günstigen Tarife zu halten sind.

Eine weitere Option wäre die Nutzung der bereits vorhandenen GSM-Frequenzen für den LTE-Betrieb. GSM funkt in einem ähnlich niedrigen Frequenzbereich, was einen flächendeckenden Ausbau von LTE rein technisch durchaus ermöglichen würde. Allerdings wird die Nutzung der Frequenzen ständig durch die Bundesnetzagentur überwacht, sodass E-Plus nicht einfach wahllos das eigene Netz umrüsten darf.

Die Zukunft von E-Plus

Es ist nicht absehbar, wann und in welchem Umfang ein kommerzielles LTE-Netz von E-Plus starten wird. Früher oder später wird aber auch der gerne als Mobilfunkdiscounter bezeichnete Dienstleister auf die neue Technik umsatteln müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Für die aktuelle Strategie ist ein späterer Ausbau aber durchaus sinnvoll. Die aktuelle Kundschaft wird sich nur wenig für schnelle Datenverbindungen interessieren, denn schon seit jeher bietet E-Plus in diesem Bereich keine zufriedenstellende Angebote bereit. Stattdessen wird der Anbieter wohl auch in Zukunft in erster Linie über den Preis begeistern wollen.

Wer sich derzeit für LTE interessiert, ist bei E-Plus ganz klar an der falschen Adresse. Im mobilen Bereich sind derzeit noch keine Angebote in Aussicht, während Anschlüsse als Festnetzersatz aufgrund fehlender Frequenzen wohl überhaupt nicht angeboten werden. Allerdings ist E-Plus auch an keine Ausbaupläne gebunden und kann so das eigene LTE-Netz frei nach eigenem Gutdünken ausbauen. So wird sich das Unternehmen sehr wahrscheinlich vor allem auf Ballungsräume wie Großstädte konkurrieren. Mit den ersteigerten Frequenzen sind dort jedoch sehr schnelle Verbindungen von 100 Mbit/s und mehr möglich. In diesen wichtigen Märkten bleibt E-Plus deshalb langfristig in jedem Fall konkurrenzfähig. Wer sich für einen solchen Tarif entscheidet, darf jedoch nicht enttäuscht sein, wenn außerhalb von großen Städten das LTE-Signal abreißt. Wer jedoch ohnehin nahezu ausschließlich in Städten unterwegs ist, wird sich daran kaum stören. Für Bewohner von ländlichen Regionen ist E-Plus hingegen auch in Zukunft keine Option, um an eine schnelle mobile Internetverbindung zu kommen.

Letztlich bleibt auch die Preisgestaltung von E-Plus abzuwarten. Durch die Einsparungen bei den Frequenzversteigerungen ist der Mobilfunkanbieter problemlos in der Lage, die Tarife der Konkurrenz zu unterbieten. Schließlich müssen nicht etliche Millionen Euro wieder in die Kassen gespült werden. Durch den starken Wettbewerb wird sich die Konkurrenz im Zweifel aber auch auf einen Preiskampf einlassen. Auf der Suche nach dem günstigsten LTE-Tarif darf E-Plus in Zukunft beobachtet werden, aktuell verfügen sie im Bereich von LTE jedoch noch über keine Relevanz.