LTE Advanced

Bei der Entwicklung von Mobilfunkstandards werden die immer steigenden Anforderungen an das Netz schon von Beginn an berücksichtigt. Deshalb konnte das UMTS-Netz mit HSPA beschleunigt werden und auch beim neuen Mobilfunkstandard LTE wird bereits an einer Erweiterung gearbeitet, um die Datenrate weiter zu steigern. LTE-Advanced soll Mobilfunknutzer in Zukunft mit bis zu 1 Gbit/s versorgen.

Die Technik von LTE-Advanced

Wie schon am Namen erkennbar, basiert LTE-Advanced größtenteils auf der Technik von LTE, die konsequent weiterentwickelt wird. So wird beispielsweise die Bandbreite der Signale auf bis zu 100 MHz erweitert, was deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglicht. Doch auch die Qualität der Verbindungen, sowie die Netzabdeckung soll durch LTE-Advanced spürbar gesteigert werden. Zu diesem Zweck sollen sogenannte „Relay Nodes“ zum Einsatz kommen, die von einem Endgerät als Basisstation erkannt werden. Die Relay Stationen nutzen die Verbindung einer Basisstation, können jedoch den Empfang innerhalb von Gebäuden oder in Randgebieten einer Funkzelle erheblich verbessern.

LTE-Advanced: Theorie und Praxis

Viele Nutzer kennen das Problem, dass theoretische Maximalwerte im Alltag kaum erreicht werden. Auch LTE ermöglicht bisher lediglich Datenraten von 50-100 Mbit/s, obwohl theoretisch bis zu 300 Mbit/s möglich sein sollen. Die kabellose Technik verfügt jedoch über einige Eigenheiten, die das Erreichen dieser theoretischen Werte erschwert. Auch LTE-Advanced wird bei seiner tatsächlichen Einführung kaum über eine Übertragungsgeschwindigkeit von 1 Gbit/s verfügen. Trotzdem wird die Geschwindigkeit im Vergleich zum normalen LTE spürbar steigern und mit fortschreitender Entwicklung werden die LTE-Geschwindigkeiten immer höher ausfallen. Experten gehen sogar davon aus, dass die maximale Geschwindigkeit von LTE-Advanced noch deutlich über 1 Gbit/s liegen könnte. Der Standard befindet sich derzeit jedoch noch in einem sehr frühen Stadium, sodass sich die tatsächlichen Ergebnisse in der Zukunft kaum vorhersagen lassen. Im Labor wurden jedoch schon Werte von 1,2 Mbit/s gemessen und Ericsson erreichte bei einem Test mit handelsüblicher Hardware im Jahr 2011 stolze 900 Mbit/s.

Kompatibilität und Netzausbau

Ein großer Vorteil von LTE-Advanced ist der vergleichsweise einfache Netzausbau. Da es sich lediglich um eine Erweiterung und nicht um eine völlig neue Technik handelt, können bestehende LTE Basisstationen vergleichsweise einfach aufgerüstet werden. Laut Nokia Siemens Networks reicht bereits ein einfaches Software Update aus, um eine Station fit für LTE-Advanced zu machen. Erste kommerzielle Endgeräte sollen schon im Jahr 2013 von unterschiedlichen Herstellern erscheinen. Bis zur endgültigen Marktreife von LTE-Advanced könnte es jedoch noch etwas länger dauern.
Auch die Kompatibilität zu bestehenden Netzwerken wird bei der Entwicklung von LTE-Advanced beachtet. Eine LTE-Advanced Basisstation kann also ohne Probleme in einem Netz mit normalen LTE Stationen betrieben werden. Auch Endgeräte sollen beide Standards unterstützen und sich bei Nichtverfügbarkeit von LTE-Advanced problemlos in das LTE-Netz einwählen können.

Woran ist LTE-Advanced zu erkennen?

Mobilfunknutzer werden von den Anbietern derzeit gerne in die Irre geführt. LTE wird gerne als 4G beworben, obwohl es eigentlich nicht die Anforderungen erfüllt, die ITU und 3GPP an den nächsten Mobilfunkstandard stellen. Streng genommen handelt es sich bei LTE deshalb um 3.9G. In erster Linie aus Marketinggründen wird LTE jedoch trotzdem als 4G beworben und von den Kunden auch angenommen, da der Unterschied zum bisherigen Mobilfunknetz relativ groß ausfällt. LTE-Advanced wird den Kunden sehr wahrscheinlich als 4.5G vorgestellt. Wer sich auf Namen nicht verlassen will, achtet bei zukünftigen Mobilfunkangeboten vor allem auf die angebotene Übertragungsgeschwindigkeit. Alles, was mit mehr als 300 Mbit/s beworben wird, beruht in jedem Fall auf LTE-Advanced Technik. Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg, da bisher nicht mal das LTE-Netz der ersten Generation vollständig ausgebaut ist.

Wird das Festnetz obsolet?

Beflügelt von den beeindruckenden technischen Daten von LTE-Advanced lehnten sich einige Experten soweit aus dem Fenster, dass sie dem Festnetz die Belanglosigkeit voraussagten. Bei Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s und Latenzzeiten unter 5 ms soll das Mobilfunknetz das Festnetz vollständig ersetzen können. Allerdings wären dazu unzählige Basisstationen nötig, da sich auch bei LTE Nutzer die Bandbreite einer einzelnen Zelle teilen müssen. Wählen sich zu viele Nutzer in die gleiche Basisstation ein, sinkt auch die Datenrate. Zwar ist es vorstellbar, dass das Festnetz zu einem Zeitpunkt in der Zukunft nicht mehr benötigt wird, jedoch ist es wenig wahrscheinlich, dass schon LTE-Advanced diesen Wechsel herbeiführen wird. Vor allem für Bewohner ländlicher Regionen, in denen kein DSL verfügbar ist, ist LTE jedoch eine interessante Alternative für einen schnellen Internetanschluss. In Zukunft wird LTE-Advanced sicherlich ebenfalls auch einige Haushalte mit schnellem Internet versorgen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Preise der Tarife dabei konkurrenzfähig sein werden. Aktuelle LTE Angebote für Zuhause fallen meist teurer aus als vergleichbare DSL-Angebote und kommen darüber hinaus mit einem Volumenlimit daher, nach dessen Erreichen die maximale Datenrate deutlich gedrosselt wird.

Die Zukunft des Mobilfunks bleibt in jedem Fall spannend und LTE-Advanced ist ohne Zweifel ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu immer besseren und schnelleren mobilen Verbindungen. Zwar gibt es derzeit noch einige Probleme bei der praktischen Nutzung des Standards, das ist jedoch nur natürlich, da sich die Entwicklung noch in einem relativ frühen Stadium befindet.