LTE Ausbau

Der neue Mobilfunkstandard LTE ermöglicht endlich auch unterwegs Internetverbindungen, die den Vergleich mit einem Festnetzanschluss nicht scheuen müssen. Neben deutlich gestiegenen Datenraten macht vor allem die gesunkene Reaktionszeit einen großen Unterschied zu der bisherigen UMTS Technik. Zeitkritische Anwendungen wie Videotelefonie oder Onlinespiele sind mit LTE problemlos möglich. Der Netzausbau befindet sich derzeit in vollem Gange, noch sind längst nicht alle Gebiete mit der neuen Technik versorgt.

Technische Umsetzung

Ein großer Vorteil von LTE ist, dass für den Netzausbau nicht zwingend neue Funkmasten errichtet werden müssen. Bereits bestehende Basisstationen können relativ einfach durch neue Hard- und Software für den neuen Standard fit gemacht werden. In einigen Regionen führt jedoch kein Weg um neue Sendeanlagen herum. Dies betrifft vor allem Gemeinden, in denen bisher noch nicht einmal UMTS verfügbar ist. Gerade solche dünn besiedelten Gebiete genießen jedoch eine bevorzugte Behandlung.
LTE kann mit verschiedenen Frequenzen zur Verfügung gestellt werden. Je höher die Frequenz ausfällt, desto größere Bandbreiten sind prinzipiell möglich. Allerdings sinkt dadurch auch die Reichweite der LTE Signale. Für Großstädte, in denen ein engmaschiges Netz aus vielen Sendestationen zum Einsatz kommt, ist deshalb der Betrieb im Bereich von 2600 MHz vorgesehen, was viele Nutzer mit sehr schnellen LTE Verbindungen versorgen soll. Für ländliche Regionen ist hingegen der Betrieb im Bereich von 800 MHz besonders interessant. Den Nutzern werden damit immer noch sehr schnelle Datenverbindungen ermöglicht, jedoch sind für die Abdeckung von weitläufigen Gebieten nur vergleichsweise wenige Basisstationen nötig.

Kleine Gemeinden werden zuerst versorgt

Im Zuge der sogenannten Digitalen Dividende wurden im Bereich von 800 MHz einige Frequenzen frei, die ehemals für die Übertragung von analogen Fernsehsignalen genutzt wurden. Die Mobilfunkanbieter fanden schnell Interesse am betreffenden Frequenzbereich und schließlich kam es auch zu einer Versteigerung. Die Ersteigerung von diesen LTE Frequenzen war jedoch mit bestimmten Auflagen verbunden. Statt nach gewohntem Muster beim Ausbau des Mobilfunknetzes zuerst Ballungsgebiete zu berücksichtigen, in denen die Anbieter die meisten Kunden ansprechen könnten, sollen zuerst Gemeinden mit wenig Anwohnern und langsamen Internetverbindungen mit LTE versorgt werden. Zu diesem Zweck teilte die Bundesnetzagentur sämtliche Städte und Gemeinden in Deutschland in vier unterschiedliche Prioritäten ein, die nacheinander versorgt werden sollen. Bevor jedoch ein Gebiet mit niedrigerer Priorität versorgt werden kann, muss die jeweils höhere Prioritätsstufe zu mindestens 90 Prozent bedient worden sein. Diese Auflagen gelten jedoch nur für LTE Frequenzen im Bereich von 800 MHz, sodass schon heute einige Großstädte trotzdem mit LTE versorgt werden, jedoch auf einer anderen Frequenz.
Hauptsächlich entstanden die Auflagen auch nicht aus dem Grund, kleinen Gemeinden schnelles mobiles Internet zu ermöglichen. LTE soll viel mehr das Festnetz in Regionen ersetzen, die bis heute noch nicht mit DSL versorgt werden können. Mit LTE sollen so in Zukunft auch kleine Ortschaften einen schnellen Zugang zum Internet erhalten. Erste standortgebundene LTE Tarife sind bereits verfügbar und die deutschen Mobilfunkbetreiber bewerben ausdrücklich die Funktion als DSL-Ersatz.

Wann ist mit einer flächendeckenden Versorgung zu rechnen?

Im Optimalfall könnten Mobilfunknutzer eines Tages an jedem Ort in Deutschland problemlos das Internet per LTE nutzen. Mit einer solchen Versorgung ist jedoch auch in Zukunft nicht zu rechnen, da sich der Ausbau für einige Gebiete schlicht nicht lohnen würde. Besonders das Errichten von Sendestationen in Regionen, die überhaupt nicht bewohnt sind, wäre nur wenig sinnvoll. Das Ziel der Mobilfunkbetreiber ist es trotzdem, möglichst große Teile Deutschlands mit dem neuen Mobilfunkstandard zu versorgen.
Der LTE Netzausbau ist dabei von den Netzbetreibern genau geplant und geschieht nicht etwa nach dem Zufall. Bis jedoch eine flächendeckende Versorgung erreicht wird, könnte noch einige Zeit ins Land ziehen. Das liegt unter anderem daran, dass in einigen Gebieten kein Weg um die Errichtung neuer Sendeanlagen führt. Auf der anderen Seite verursacht der Ausbau auch hohe Kosten, die die börsennotierten Unternehmen nur ungern in ein einziges Quartal verteilen möchten. Um trotzdem einen möglichst schnellen LTE Ausbau zu ermöglichen kündigten O2 und T-Mobile aber an, sich beim Ausbau zu unterstützen. Die zwei Anbieter wollen sich vorerst auf unterschiedliche Gebiete konzentrieren, sodass möglichst viele Menschen zeitnah mit der neuen Technik versorgt werden.
Auch Vodafone treibt den Ausbau des eigenen LTE Netzes ständig voran, kooperiert dabei jedoch nicht mit anderen Anbietern. E-Plus konnte keine Frequenzen im Bereich von 800 MHz ersteigern, weshalb mit einer flächendeckenden LTE Versorgung seitens des Unternehmens vorerst nicht zu rechnen ist. Nach aktueller Planung sollen noch im Jahr 2012 weite Teile Deutschlands mit LTE versorgt werden, schon im Jahr 2013 soll der Netzausbau größtenteils abgeschlossen werden. Ob dieser grobe Zeitplan eingehalten werden kann, muss sich jedoch erst noch zeigen.

LTE Ausbau im Rest der Welt

LTE ist natürlich nicht nur in Deutschland interessant, überall auf der Welt treiben Mobilfunkanbieter den Ausbau der neuen Technik voran. Einer der Vorreiter in dieser Hinsicht ist der Telekommunikationsdienstleister TeliaSonera, der schon sehr früh LTE Netze in Skandinavien anbot. In Asien ist vor allem Japan ein Vorbild in Sachen LTE Ausbau. Schon heute erreicht das Netz des Anbieters NTT Docomo eine nahezu flächendeckende Versorgung des Landes.
In de USA betreibt vor allem Verizon Wireless sehr starke Bemühungen für einen schnellen LTE Ausbau. Die neue Technik ist dort auch von Kunden sehr gefragt, weshalb auch Hauptkonkurrent AT&T einen schnellen Ausbau des eigenen Netzes versprach. Schon Ende des Jahres 2012 sollten die meisten Einwohner der USA mit der neuen Technik versorgt sein.
Übrigens gibt es im Rest der Welt keine speziellen Auflagen für den Netzausbau, die Mobilfunkbetreiber können ihr LTE Netz nach eigenen Vorstellungen frei gestalten. Deutschland nimmt hier eine Sonderstellung ein, obwohl sich auch im Rest der Welt genug Gebiete finden, in denen bis heute kein schnelles Internet verfügbar ist. Bisher gab es aber seitens ausländischer Regierungen keinerlei Bemühungen, sich dem deutschen Vorbild anzupassen. Entsprechend sind standortgebundene LTE Tarife im Rest der Welt auch sehr viel seltener. Ausländische Netzbetreiber ignorierten in der Anfangszeit des LTE Ausbaus erwartungsgemäß unterversorgte Gebiete. Stattdessen wurden vor allem Großstädte bevorzugt, um schnell möglichst viele Kunden ansprechen zu können.