LTE Telefonie

Die neue Mobilfunkgeneration LTE bietet zwar zahlreiche Vorteile, stellt die Mobilfunkbetreiber aber auch vor neue Herausforderungen. Das Netz muss für den Betrieb komplett überarbeitet werden, da auch gängige Dienste nicht mehr nach altem Muster realisiert werden können. Dazu zählt auch das Kernstück des Mobilfunknetzes, die Telefonie.

Unterschiede bei der LTE Telefonie

Bisher handelte es sich bei der Sprachübertragung um klassische leitungsgebundene Verbindungen. Derartige Kommunikationswege sind für LTE jedoch überhaupt nicht vorgesehen. Die gesamte LTE Technik konzentriert sich stattdessen auf IP-basierte Verbindungen, sämtliche Dienste sollen im Optimalfall per Internet bereitgestellt werden. Problematisch ist dabei jedoch, dass natürlich auch immer noch zahlreiche Nutzer sich in ältere Netze einwählen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass LTE noch lange nicht flächendeckend verfügbar ist. Bis das gesamte Mobilfunknetz auf den neuen Standard umgestellt wurde, bedarf es daher geeigneten Lösungsansätzen, die Telefonie zuverlässig und schnell in allen Netzen ermöglicht.

Lösungsansätze

Die derzeit gängigste Methode für LTE Telefonie ist der sogenannte Fallback. Erhält ein Nutzer einen Anruf, wählt das Telefon sich automatisch in ein 2G oder 3G Netz ein. Auf diese Weise können Sprachverbindungen zuverlässig und flächendeckend auch per LTE angeboten werden. Allerdings ergeben sich dabei auch einige Probleme. Bis die Verbindung zustande kommt, entstehen in der Regel recht lange Wartezeiten, da das Gerät sich erst in ein anderes Netz einwählen muss. Gleichzeitig verlässt ein Nutzer das LTE Netz, sodass aktive Datenverbindungen meist unterbrochen werden. Auf lange Sicht soll das Mobilfunknetz jedoch komplett auf IP-basierte Dienste umgestellt werden. Auch die Telefonie würde dann per Voice over IP realisiert. Ein Einwählen in fremde Netze wäre dann nicht mehr nötig. Die technische Umsetzung fällt dabei zwar etwas komplizierter aus als in den alten Netzen, die Verbindungen an sich garantieren jedoch eine hohe Stabilität und Sprachqualität.

Volga als Alternative

Aufgrund der aktuellen Problematik haben sich viele der größten und wichtigsten Mobilfunkunternehmen zusammengeschlossen, um eine geeignete Übergangslösung zu entwickeln. Dabei kam Voice over LTE via GAN heraus, was sämtlichen Teilnehmern des Mobilfunknetzes eine direkte Sprachverbindung ermöglichen soll, ganz gleich in welches Netz sie sich einwählen. Für die Umsetzung benötigt die Basisstation einen Volga Access Network Controller, der letztlich eine IP-basierte Verbindung zum Kernnetzwerk herstellt. Nutzer müssen sich bei der Telefonie dabei nicht mehr aus dem LTE Netz auswählen und auch aktive Datenverbindungen bleiben aktiv. Die ersten LTE Anrufe mit dieser Technik wurden bereits im Jahr 2009 von der Telekom demonstriert. Im kommerziellen Bereich konnte Volga sich bisher jedoch noch nicht durchsetzen, einige Anbieter scheuen noch die Investitionen, die durch die zusätzliche Hardware an den Sendemasten entstehen. Mit höherer Verbreitung und steigender Nachfrage nach zuverlässiger LTE Telefonie werden die Anbieter jedoch früher oder später zur Umsetzung eines geeigneten Netzwerkes gezwungen sein.

Schwache Akkus von LTE Geräten

Die LTE Telefonie bereitet aber nicht nur den Netzbetreibern Kopfzerbrechen, auch die Hardware Industrie hat mit dem neuen Mobilfunkstandard zu kämpfen. Aktuell wird vor allem der Akku von Smartphones und Tablets sehr stark durch LTE belastet. Dabei sollte die neue Technik eigentlich das Gegenteil bewirken und den hohen Energiebedarf von UMTS deutlich reduzieren. In der Praxis wird jedoch deutlich mehr Strom verbraucht, da die Geräte sich bisher noch gleichzeitig in ein LTE und ein 2G oder 3G Netz einwählen. Vor allem Smartphones leiden dabei ohnehin schon unter zu schwachen Akkus, bei den meisten Geräten führt kein Weg an täglichem Aufladen herum. LTE Geräte halten oft nur einige Stunden durch, vor allem bei aktiven Datenverbindungen und gelegentlichen Telefonaten reicht die Akkukapazität der Geräte nicht aus.

Maßnahmen für schwächelnde Akkus

Noch ist nicht absehbar, wann das LTE Netz so weit umgestellt ist, dass die Akkus von Mobiltelefonen nicht mehr darunter leiden. Einige Experten rechnen mit einem entsprechenden Netz im Jahr 2013, andere Prognosen gehen aber erst von einem flächendeckenden Betrieb im Jahr 2015 aus. Bis dahin sind die Nutzer auf sich allein gestellt, wenn es um die optimale Nutzung von Akkus geht. Mit stärkeren Akkus ist dabei nicht zu rechnen, auf so kleinem Raum kann die Lithium Ionen Technik einfach kaum noch mehr Energie bereitstellen. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die gegen einen allzu schnellen Verbrauch des Akkus helfen.

Hilfreich ist es natürlich, wenn das Gerät über einen austauschbaren Akku verfügt. In einem solchen Fall können einfach Ersatzakkus mitgeführt werden, die bei Bedarf eingelegt werden können. Etwas ärgerlich kann aber das immer neue Aufladen von mehreren Akkus ausfallen, zu diesem Zweck ist in jedem Fall eine geeignete Ladestation empfehlenswert. Allerdings bieten heutzutage längst nicht mehr alle Geräte einen austauschbaren Akku an. In vielen Fällen verzichten die Hersteller gänzlich darauf. Die Anbieter führen solche Entscheidungen in erster Linie auf designtechnische Gründe zurück, böse Zungen behaupten jedoch auch, dass durch die nötige Reparatur zusätzliche Gewinne erwirtschaftet werden sollen.
Eine beliebte Methode zur Verringerung des Energiebedarfs ist das Einwählen in ein 2G Netz. Vor allem im Stand-by reicht die Verbindung per GSM meist völlig aus, Anrufe können selbstverständlich noch problemlos empfangen werden. Die Datenrate reicht auch aus, um beispielsweise Nachrichten von Instant Messengern zu empfangen. Auch während der Benutzung kann mit dem 2G Netz prinzipiell Energie gespart werden, gestaltet sich in der Praxis jedoch nur wenig sinnvoll. Denn LTE soll ja gerade genutzt werden, um höhere Datenraten und niedrige Reaktionszeiten zu erzielen. Übrigens rechnen Mobilfunkanbieter Datenvolumen, das über ein 2G oder 3G Netz entsteht ebenfalls an, auch hier ist also kein Einsparpotenzial. Als sinnvoll kann es sich aber herausstellen, das Ladegerät stets im Gepäck zu haben. In vielen Restaurants und Cafés können Geräte problemlos an einer Steckdose aufgeladen werden. Wer jedoch auf sein Smartphone angewiesen ist, sollte gegebenenfalls schon beim Kauf eines Geräts auf einen austauschbaren Akku achten, um später nicht böse überrascht zu werden.