LTE vs. DSL

Die neue Mobilfunktechnik LTE bietet sich immer mehr auch als Alternative zu einem Festnetzanschluss an. Geschwindigkeit sowie Reaktionszeit können problemlos mit modernen DSL-Anschlüssen konkurrieren. Doch ist LTE auch besser als DSL? Könnte es das Festnetz in Zukunft sogar völlig überflüssig machen?

LTE und DSL im Vergleich

Mit Übertragungsraten von bis zu 300 Mbit/s übertrifft LTE klassisches DSL bei Weitem. Selbst das schnelle VDSL kommt nicht auf solche Werte. Allerdings handelt es sich dabei auch nur um ein theoretisches Maximum, bisher sind keine entsprechenden Tarife erhältlich. Möglich sind jedoch bereits bis zu 100 Mbit/s mit dem Mobilfunknetz, was der derzeit maximalen Datenrate von VDSL entspricht. LTE ermöglicht also problemlos auch sehr schnelle Verbindungen für den Einsatz zuhause. Ein wichtiges Kriterium bei der Entwicklung von LTE war auch die Latenzzeit, die jetzt in der Regel 10 ms und weniger beträgt und damit ebenfalls auf Augenhöhe mit einem DSL-Anschluss mit Fastpath ist. Rein technisch ist LTE also in keiner Weise unterlegen. Schnellere Geschwindigkeiten erlauben lediglich Anschlüsse über das Kabelnetz oder Standleitungen. Dennoch ist LTE derzeit nicht in jedem Fall eine sinnvolle Alternative zum Festnetz.

LTE als Festnetzersatz

Wer sich heute für LTE als Festnetzersatz interessiert, wird vor allem aufgrund der bisherigen Netzabdeckung enttäuscht sein. Noch ist die neue Technik längst nicht flächendeckend verfügbar, weshalb auch nicht jeder einen entsprechenden Tarif buchen kann. Bei dem Ausbau konzentrieren sich die Netzbetreiber in erster Linie auf unterversorgte Gebiete, in denen bisher kein DSL zur Verfügung stand. Dies steht in Zusammenhang mit der Planung der Bundesnetzagentur, die Internet mit wenigstens 1 Mbit/s überall in Deutschland garantieren möchte. Bei der Versteigerung von LTE Frequenzen im Bereich von 800 MHz verpflichteten sich die deutschen Mobilfunkanbieter deshalb, unterversorgte Regionen zuerst mit der neuen Technik zu versorgen. Das ganze Land wurde in verschiedene Prioritäten eingeteilt, die nun nach und nach bedient werden sollen. Bis LTE flächendeckend verfügbar ist, kann also noch einige Zeit vergehen.

Auch bei bestehender Verfügbarkeit kann der LTE-Euphorie schnell ein Dämpfer versetzt werden. Denn wer beispielsweise bei der Telekom einen standortgebundenen LTE-Tarif buchen möchte, kann dies nur tun, wenn am jeweiligen Standort kein DSL verfügbar ist. Anderenfalls verweist der Telekommunikationskonzern auf die entsprechenden Festnetzangebote, ein LTE-Anschluss wird dann nicht ermöglicht. Auch bei anderen Anbietern ist LTE bisher nur bedingt eine sinnvolle Alternative zum normalen DSL-Anschluss. O2 bietet bisher lediglich LTE-Tarife mit bis zu 7,2 Mbit/s an, was mit modernen DSL-Anschlüssen nicht konkurrieren kann. Lediglich Vodafone bietet auch für den Einsatz zuhause LTE mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s an.

Preis und Leistung

Technisch gesehen spricht nichts gegen LTE als Festnetzersatz. Passende Tarife sind schon heute verfügbar. Ein großer Nachteil sind jedoch noch die vergleichsweise hohen Preise. So wird für eine LTE Flatrate mit bis zu 50 Mbit/s ein Betrag von etwa 70 Euro im Monat fällig, während Festnetztarife mit vergleichbaren Leistungen oft schon für die Hälfte verfügbar sind. Ein weiterer Nachteil von LTE ist die Drosselung, die nach Erreichen eines bestimmten Datenvolumens erfolgt. Die Geschwindigkeit wird in solche einem Fall spürbar gedrosselt, in der Regel sind nur noch 384 kbit/s verfügbar. Das reicht zwar aus für einfache Anwendungen wie E-Mail und einfache Webseiten aus, größere Downloads werden dabei aber schnell zum Geduldsspiel. Festnetztarife kennen solche Einschränkungen nicht, dort ist die volle Bandbreite ohne Einschränkungen nutzbar. Noch ist nicht bekannt, ob einer der Mobilfunkanbieter in absehbarer Zukunft ebenfalls eine „echte“ Flatrate anbieten wird. Für den Moment ist die Datendrosselung jedoch als klarer Nachteil zu werten. Bei den kleinsten Tarifen wird die Drossel bereits ab einem Datenvolumen von 5 GB zugeschaltet, das momentan maximale High Speed Volumen beträgt 30 GB.

Wird LTE das Festnetz auf lange Sicht ersetzen?

Die Technik von LTE zeigt viel Potenzial, mit LTE Advanced werden sogar Geschwindigkeiten im Gbit-Bereich möglich. Da die Latenzzeiten ebenfalls sehr gering ausfallen, sind auch zeitkritische Anwendungen wie Videotelefonie oder Onlinespiele kein Problem. Ob LTE das Festnetz jedoch tatsächlich ersetzen wird, bleibt fraglich. Die Technik steht auch bei den Festnetzanschlüssen nicht still und es lässt sich kaum vorhersagen, welche Datenraten dort in Zukunft noch erreicht werden können. Darüber stellt eine LTE-Versorgung für jeden Bundesbürger die Netzbetreiber vor eine hohe Herausforderung. Der derzeitige Ausbau sieht in keiner Weise einen Festnetzersatz vor. Würden sich schlagartig Millionen Menschen in das LTE-Netz einwählen, wären die Basisstationen wahrscheinlich völlig überlastet. Das Internet würde in so einem Fall nur sehr langsam funktionieren, da sich alle Benutzer derselben Mobilfunkzelle die jeweils verfügbare Datenrate teilen müssen. Für die Abschaffung des Festnetzes wäre also ein sehr großer Ausbau der Netze erforderlich, ob sich das für die Mobilfunkbetreiber rechnet, darf bezweifelt werden.

Fazit

Rein technisch steht LTE mit DSL und auch anderen Festnetzanschlüssen eindeutig auf Augenhöhe. Als Alternative zum Festnetz ist LTE derzeit jedoch nur sinnvoll, wenn am jeweiligen Standort keine zufriedenstellende Versorgung per Festnetz möglich ist. Ansonsten fallen die Preise für LTE bei vergleichbaren Leistungen einfach zu hoch aus. Wer bereits einen Festnetzanschluss besitzt und über die Umrüstung auf LTE nachdenkt, sollte außerdem beachten, dass für einen LTE-Anschluss in der Regel auch neue Hardware erforderlich ist. Besonders wenn die nächste Funkzelle sich in relativ weiter Entfernung befindet, ist in der Regel eine zusätzliche Richtantenne nötig, die außen am Haus angebracht werden muss. Darüber hinaus ist auch ein passendes Modem sowie gegebenenfalls ein Modem erforderlich. Bei Abschluss eines LTE-Tarifes muss außerdem ständig das Datenlimit beachtet werden, nach dessen Erreichen eine Drosselung der Geschwindigkeit stattfindet. Für hemmungslose Downloads eignet sich LTE also derzeit in keiner Weise.

LTE kann jedoch sinnvoll sein für Alleinstehende, die das Internet ohnehin nur wenig nutzen und vornehmlich wenig datenintensive Dienste nutzen wie etwa E-Mails oder das Surfen im Internet. Dabei ist jedoch weniger ein standortgebunderer Tarif empfehlenswert, als viel mehr ein LTE-Tarif für den mobilen Einsatz. Mit einem USB-Stick kann das Internet per LTE so überall genutzt werden, auch zuhause. Internet per Festnetz ist dann nicht mehr unbedingt erforderlich. Wichtig ist aber natürlich, dass LTE am eigenen Wohnort auch ausreichend verfügbar ist, da die kleinen Antennen der USB-Sticks ein gutes Signal für einen reibungslosen Betrieb benötigen. Außerdem kann ein LTE-Anschluss per USB-Stick nur von einer Person gleichzeitig genutzt werden, deshalb eignet sich eine solche Option wirklich nur für Leute, die alleine wohnen und die Internetleitung nicht mit mehreren Geräten gleichzeitig nutzen möchten.

In der Zukunft könnte es durchaus auch LTE-Tarife geben, die sich für jeden als Festnetzersatz eignen. Bis dahin ist jedoch vor allem in Sachen Netzausbau noch einiges an Arbeit zu leisten. Wer derzeit nach einem Internetanschluss sucht, kann also auch bedenkenlos Tarife mit 24 Monaten Laufzeit abschließen, sobald der Vertrag ausläuft, könnte LTE schon sehr viel interessanter für den Heimgebrauch sein. Für den Moment bietet das Festnetz jedoch noch zu viele Vorteile, um es zu ignorieren.